Wer die Wahl hat, hat die Qual – Wer keine Wahl hat, hat ein Problem

Ich treffe immer wieder Menschen die mich mit ihrer Engstirnigkeit überraschen. Diese Leute haben sich entschlossen, ihre einmal getroffene Lebenswahl bis zum Ende durchzuziehen und wollen dich nun davon überzeugen, es ihnen gleich zu tun. Manchmal denke ich mir „Ach, lass sie doch!“.

Doch das geht nicht. Nicht mehr! Es geht nicht, weil ich weiß, welchen Schaden diese Menschen anrichten werden. Es geht nicht, weil sie mich beinahe selbst davon überzeugt hatten, dass es nicht anders geht. Und es geht nicht, weil sie immer so weiter machen werden, wenn niemand sie aufhält.

Engstirnigkeit ist keine Eigenschaft, sondern ein Vergehen!

Es sind genau diese Menschen die einem immer wieder sagen: „So kann man das nicht machen“, „Das war schon immer so“, etc. Die Killer des Unternehmergeists und der Kreativität. Manchmal könnte ich durchdrehen. Wenn es in deinem Umfeld jemanden gäbe, der ohne ersichtlichen Grund Leute fertig macht, würdest du etwas dagegen tun? Vermutlich ja. Trotzdem lassen wir es zu, dass uns Menschen ungefragt ihre Meinungen und Ratschläge auf den Hals binden. Und lassen zu, dass sie uns mit ihrer, oft negativen, Einstellung einschränken.

Ratschläge sind letzten Endes auch nur Schläge.

Wer sein Leben lang in einem Büro sitzt, über den Chef und jeden anderen lästert und laut eigener Aussage „die letzten 20 Jahre auf die Pension auch noch abwarten kann“, der hat es nicht verdient meine Aufmerksamkeit zu erhalten, wenn er mir Tipps darüber geben will, wie das Leben läuft. Er bekommt höchstens Mitleid. Napoleon Hill schreibt in seinem Buch „Denke nach und werde reich“:

Der Feind, den sie im dunklen Keller ihrer Psyche aufstöbern wollen, ist ihre Beeinflussbarkeit. Die am weitesten verbreitete menschliche Charakterschwäche besteht zweifellos in der Bereitschaft, jedem negativen Einfluss kampflos zu erliegen.

Hier ist vor allem die Beeinflussbarkeit im negativen Sinne gemeint. Sie nimmt dir Wahlmöglichkeiten. Du siehst nur noch den einen Weg, der nicht geht, anstatt die anderen zu erkennen, die möglich sind. Wer Engstirnigkeit ist hat keine andere Wahl als solche, die in seinem Repertoire verfügbar sind. Dadurch bewegt man sich wie mit Scheuklappen auf den Augen durch die Welt.

Man könnte jetzt einwerfen: „Dafür wird man nicht abgelenkt.“ – Gegenargument: Dafür sieht man keinen Ausweg. Wer engstirnig ist und keine andere Wahlmöglichkeiten zur Verfügung hat, der kann nichts tun oder mit dem Kopf durch die Wand. Und das geht auf die Birne.

Wie du neue Wahlmöglichkeiten findest

Je flexibler du bist, im Handeln und Denken, desto mehr Möglichkeiten hast du zur Verfügung. Wenn du dein Leben nach deinem eigenen Standard führst, dann finde neue und alternative Wege. Mach es dir zur Gewohnheit.

Fang am besten sofort bei dir selbst an. Nehmen wir an du fährst jeden Tag mit dem Auto in die Arbeit. Vermutlich hast du einen Weg, der dich da schnellstmöglich hinbringt. Aber das nächste Mal versuchst du eine andere Route. Fahr eine andere Strecke und finde heraus, ob du ohne Navigationsgerät dorthin kommst. Es mag simpel klingen. Ist es auch.

Kleine Veränderungen wie diese reichen aus, um dein Denken anzuregen, alternative Wege zu nutzen. Mit der Kommunikation ist es das Gleiche. Viele Menschen können sich nur auf wenige unterschiedliche Arten ausdrücken, wenn sie in die Enge getrieben werden. Entweder sie schreien, weil sie sich nicht anders zu wehren wissen oder sie halten einfach die Klappe. Keines davon bringt irgendwem irgendwas.

Andere wiederum sind durchaus in der Lage in schwierigen Situationen hervorragend zu reagieren und schaffen es, trotz widrigster Umstände, eine Win/Win Situation zu erschaffen. Sie haben ein Repertoire an Wahlmöglichkeiten, welches sie sprachlich umsetzen können.

Wer nur eine Wahl hat, hat keine Wahl.

Und somit ein Problem. Wer zwei Wahlmöglichkeiten hat, hat ein Dilemma. Je mehr uns zur Verfügung steht, desto selbstsicherer und erfolgreicher können wir in die Zukunft schreiten und die Dinge anpacken, von denen wir schon unser Leben lang sprechen.

Dein Umfeld wird merken, dass du dich anders verhältst und möglicherweise zündest du bei jemandem den nötigen Funken, es dir gleich zu tun.

Wenn die Wahl zur Qual wird

Doch auch das andere Extrem hat seine Tücken. Ein Überfluss an Wahlmöglichkeiten überfordert viele wiederum. Beispiel Studien- oder Berufswahl. Als ich mich vor einigen Jahren mit der Frage auseinandergesetzt habe, was ich denn nun studieren soll, begab ich mich auf die Suche. Ich dachte mir, ich schaue mal was es gibt und dann sehen wir weiter.

Oh mein Gott. Das hat mir nicht im geringsten geholfen: Elementare Musikpädagogik, Energietechnik, Erdwissenschaften, und was weiß ich noch. Es gibt alleine in Österreich über 2000 Studienrichtungen. Ich war wie gelähmt und komplett überfordert.

Der Überfluss an Möglichkeiten der uns geboten wird hindert uns oft im Fortkommen. Tausend Ideen, tausend Variationen. Wo soll man nur anfangen? Zu viele Wahlmöglichkeiten führen letztendlich dazu, dass man sich für nichts entscheidet. Oder für zu viel auf einmal. Ohne etwas richtig bis zum Schluss durch zu ziehen.

Im Internet passiert das tagtäglich: Jeden Tag gibt es etwas neues, tolleres, bunteres, das es zu lesen oder auszuprobieren gibt. Ich kann mich an die Anzahl der ebooks, Videos, Online Kurse, Podcasts usw. nicht mehr erinnern, die ich konsumiert habe. Glaub mir, es waren genug.

Natürlich habe ich immer wieder etwas dabei gelernt. Doch es geschah nicht fokussiert. So sind die meisten Erkenntnisse wieder verpufft ohne dass ich sie jemals angewandt habe.

Barry Schwartz spricht in einem TEDx Talk ausführlich über das Paradoxon die Qual der Wahl:

Zweifeln an der gewählten Entscheidung.

Die amerikanischen Psychologen Sheena S. Iyengar und Mark R. Lepper haben in einer Studie herausgefunden, dass zu viele Wahlmöglichkeiten große Verunsicherung auslöst (Studie: «When Choice is Demotivating: Can One Desire Too Much of a Good Thing?»).

Fazit der Studie: Umso größer die Auswahlmöglichkeiten, desto höher sind die eigenen Erwartungen. Das führt zu steigender Unzufriedenheit wenn die Wahl getroffen wird. Und das führt zum Gefühl, man habe falsch entschieden.

Wie viel Wahlmöglichkeiten sind nun die Lösung?

Es kommt drauf an. Wie immer gilt es, den Mittelweg zu finden. Und noch wichtiger: Kenne deine (Ur)Motivation. Weshalb willst du studieren, diesen Beruf ausüben, usw.? Erst danach kommt die Auswahl des effektivsten Weges um das Ziel zu erreichen. Nimm dir die Zeit aus den vielen Entscheidungsmöglichkeiten die Wahl zu treffen.

Zeit lassen ist die Devise. Informationen über die einzelnen Möglichkeiten zu sichten, hilft dir dabei eine rationale, nachhaltige Entscheidung zu treffen.

In welcher Welt möchtest du leben? In einer eingeschränkten, vordefinierten Umgebung oder an einem Ort in der ständig neue Wege eingeschlagen werden (können)?

Über den Autor:

Sebastian Thalhammer schreibt auf seinem Blog Projekt Phoenix darüber, wie man sich seinen Ängsten stellt um die Dinge anzupacken, die einen bewegen. Er wird dir zu deinen Fragen und Anregungen Rede und Antwort stehen.

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7 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hi Benedikt und LeserInnen des Blogs!

    Als Verfasser dieses Gastartikels interessieren mich eure Erfahrungen und Ansichten zum Thema. Wann hat euch eine neue Sicht auf die Dinge das letzte Mal mehrere Blickwinkel eröffnet?

  2. Sehr schöner Artikel Sebastian. Gut auf den Punkt gebracht. Kann in allem gerne zustimmen und möchte natürlich den Weg mit den immer wieder sich neu darbietenden Wegen gehen. Aber wie so schön schreibst, Ratschläge sind auch nur Schläge.

    Jeder darf sein Leben leben. Ist eine Lektion die ich auch mal lernen durfte (Eltern, Freunde)

    Danke und Gruß

    Matthias

    1. Hi Matthias! Danke für deinen Kommentar. Jeder darf und soll sein Leben leben, da stimme ich dir zu. Die Anzahl der Wahlmöglichkeiten hoch zu halten ist auch nicht jederzeit leicht. Oft genug erkenne ich blinde Flecken erst im Nachhinein und denke mir: Dass hätte auch anders gemacht werden können.

  3. Ich erkenne mich in deinen Zeilen sowas von wieder… Seiten von Brainstormings habe ich bereits gefüllt, bis mir letztendlich bewusst wurde: ich kann beinahe alles anfangen. Eine Freiheit, die ganz schön viel Angst machen kann.

    1. Hi Marlen!

      Wenn man in der Lage ist, alle Möglichkeiten zumindest in Betracht zu ziehen, dann hat man schon einen wichtigen Schritt gemacht.

      Sobald man es sich vorstellen kann, ist es machbar. D.h. nicht, dass man es auch automatisch fertig bringt, jedoch ist die Grundeinstellung von enormer Wichtigkeit.

      Henry Ford hat einmal gesagt: „Wenn du sagst du kannst etwas oder du kannst etwas nicht, dann wirst du in beiden Fällen Recht behalten.“

  4. Hey Sebastian,

    mit mir resoniert vor allem: Kenne dein „why“.

    Dazu gehört für mich die Kenntnis deiner Grundwerte und der tieferen Motivation. Als Kinder fragen wir ständig „warum“.

    „Warum ist Papa so böse?“, „Warum passiert dies oder das?“

    Je älter wir werden verlernen wir mehr und mehr dieses Fragen nach dem Warum. Wenn wir wieder lernen uns immer nach dem Warum zu fragen, fallen Entscheidungen leichter.

    Aber das ist nur meine Erfahrung und subjektive Beobachtung ;)

    Cheers,

    Ben

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