Schwierige Entscheidungen: warum du niemals bereit sein wirst (und was ein Buch damit zu tun hat)

Ein Gastartikel von Nils Terborg.

Du machst dir einen Plan. Du wägst wochenlang alle Optionen gegeneinander ab und machst einen Soll-Ist-Vergleich nach dem anderen. Und wenn du dann irgendwann bereit bist, triffst du die perfekte Entscheidung.

Oder?

Warum Top-Manager gut sind, wenn 51% ihrer Entscheidungen gut sind, es in der Regel ganz anders abläuft und wieso du lange auf das Gefühl des „Bereit-Seins“ warten kannst, das erkläre ich in den nächsten 4 Minuten.

Daher fangen wir jetzt mal an – zur Not auch dann, wenn wir beide noch nicht so bereit sind ;-)

Selbstständigkeit, Unternehmen und Ambitionen

Kurz vor meinen Bachelorprüfungen habe ich mich in der Finanzbranche selbstständig gemacht. Ich würde nicht sagen, dass ich dafür zu diesem Zeitpunkt bereit war.

Im Gegenteil:

Schlechter hätte das Timing fast nicht sein können!

Während meines Masterstudiums habe ich dann innerhalb von zwei Wochen zwei Unternehmen gegründet. Ja, ich bin nicht nur ungeduldig, sondern bisweilen vielleicht auch etwas verrückt.

Aber auch wenn das jeweils sehr stressige Zeiten waren, habe ich daraus doch eine zentrale Lektion mitgenommen:

Für die wirklich wichtigen Entscheidungen ist man niemals bereit!

Man könnte es auch anders formulieren:

Wenn du bei einer wichtigen Entscheidung so lange wartest, bis du bereit bist, sie zu treffen und die Konsequenzen zu tragen, dann kannst du mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass du zu spät sein wirst!

Ich möchte dich jetzt aber auch nicht dazu motivieren, Entscheidungen immer auf die leichte Schulter zu nehmen und dich blindlings und Hals über Kopf in neue Projekte zu stürzen. Aber es kommt gleich ein Beispiel, das einen guten Mittelweg illustriert.

Denn ich merke momentan in einem ganz anderen Bereich, dass das Warten darauf, dass man bereit ist etwas zu tun, dazu führt, dass man niemals anfängt:

Stell dir vor, du schreibst ein Buch!

Für viele Menschen ist das einmal mehr und mal weniger konkreter Traum. Manche träumen ihn seit kurzem, manche seit sehr langer Zeit.

Da ich seit einiger Zeit solchen Menschen dabei helfe, ihre fiktiven Buchträume zur gedruckten Realität werden zu lassen, weiß ich mittlerweile sehr genau, welche Gedanken zum Zögern und zum Aufschieben von Entscheidungen führen.

Wenn du ein Buch schreiben willst, dann lies unbedingt weiter. Wenn nicht, ebenfalls. Denn ich werde diesen Prozess als Beispiel dafür nehmen, wie du längst überfällige Entscheidung endlich treffen kannst.

Mit einem guten Gefühl.

Und so, dass du zu 100 % hinter der Entscheidung stehst.

Warum wollen wir eigentlich immer erst bereit sein?

Gerade in der deutschen Gesellschaft wird man nicht gerade zu Selbstsicherheit und Risikofreude erzogen. Auch wenn die Eltern da noch ein Vorbild sind:

Im weiteren sozialen Umfeld nehmen wir scheitern in der Regel als etwas sehr Negatives war. Dieses Problem wird in einer Bundestagsrede des FDP-Politikers Christian Lindner sehr deutlich angesprochen – tatsächlich stehe ich auch als nicht FDP Wähler voll hinter seiner Position und seinen Argumenten:

Für mich ist der Zusammenhang klar:

Wenn Scheitern etwas Schlimmes ist, dann drücke ich mich natürlich vor einer Entscheidung, auf die eventuell auch eine Niederlage folgen konnte. Und schiebe dann das Argument (böse Zungen nennen es Ausflüchte) vor, dass ich einfach noch nicht bereit dafür bin.

Wann bin ich denn bereit?

Ich möchte stattdessen ein anderes Verhältnis zwischen einer natürlich notwendigen Vorbereitung auf eine Entscheidung und dem eigentlichen Treffen einer Entscheidung vorschlagen und dafür das Beispiel der Buchproduktion nutzen.

  • Wenn ich selbst ein neues Buch schreibe, dann geht es bei mir um das Thema Beziehungen. Zur Vorbereitung lese ich meistens 5-6 andere Bücher (teilweise ebenfalls Beziehungsratgeber, aber ich lasse mich natürlich auch gerne von ganz anderen Werken, wie zum Beispiel Romanen inspirieren).
  • Ich stelle ein paar Geschichten meiner letzten Coachingklienten zusammen und frage nach, ob ich diese anonymisiert im Buch mit einbauen darf.
  • Gegebenenfalls lasse ich noch die ein oder andere eigene Erfahrung einfließen.

Entscheidungen

Wichtig ist hier auch, was ich nicht mache:

  • Ich lese nicht alle Beziehungsratgeber, die es bereits gibt. Denn dann fange ich mit meinem Buch niemals an, weil alle Zeit fürs Lesen draufgeht.
  • Ich versuche nicht, erst 2000 Klienten zu coachen, bevor ich mir das Recht einräume, als Experte ein Buch zum Thema zu schreiben. Das ist ebenfalls unrealistisch und absolut nicht notwendig.
  • Und ich habe auch nicht den Anspruch an mich, dass meine eigene Beziehung perfekt sein muss. Das ist nicht nur im Bereich von Liebe und zwischen Menschlichkeit ein verrückter Gedanke, sondern das ist auch im geschäftlichen Bereich nicht sinnvoll!

Zusammengefasst:

  • Ich verabschiede mich vom Anspruch der Perfektion und überlege mir mit einem Hang zur Bescheidenheit, welche Intensität der Vorbereitung sinnvoll und angemessen sein könnte – und konsultiere dafür auch eventuell einen Experten, fachkundigen Freund oder einen Coach.
  • Wenn ich in meiner Vorbereitung Lücken sehe, dann ist das okay. Denn die kann ich im Laufe des Prozesses viel effektiver und zielgerichteter füllen, als vorher.
  • Wenn die Entscheidung mir immer noch viel zu groß vorkommt, dann passe ich gegebenenfalls das Ziel an, anstatt die Entscheidung aufzuschieben. Baby Steps helfen fast immer!

All das kennst du vielleicht auch schon als 80/20-Regel oder Paretoprinzip.

Wie ertrage ich anfängliche Unsicherheit?

Wenn mir Wissen fehlt, dann besorge ich mir das ganz konkret während des Prozesses. Und lese mir das dann zielgerichtet an. Was viel effektiver ist, als vor dem Schreiben zig Bücher zu lesen, in der Hoffnung, dass genau dieses Wissen brauchen werde.

Für viele fühlt sich das Treffen einer Entscheidung so an wie der Sprung von einer Klippe. Tatsächlich ist es aber eher so, wie in einem Zug einzusteigen. Im freien Fall möchte ich auch nicht lesen, im Zug finde ich das aber voll in Ordnung.

Auch hier kann es natürlich helfen mit kleinen Entscheidungen zu üben (warum nicht wirklich mit der Entscheidung, ein Buch zu schreiben?). Es muss sofort die Unternehmensgründung sein, sondern es kann auch mit einem ersten Prototypen anfangen.

Und selbstverständlich ist der Gedanke hilfreich, das Scheitern und Fehlschläge nicht übermäßig schlimm sind. Du wirst davon nicht sterben, wirst auch nicht alle deine Freunde verlieren und stattdessen eher um eine Erfahrung reicher sein, die dir zukünftige Entscheidung erleichtert.

Fang an, bereit bist du später

Mit diesem Satz würde ich also meine Erfahrungen aus vielen Entscheidungen von mir und von Klienten weitergeben. Andere Menschen, die definitiv weiser und erfolgreicher sind als ich sehen das ähnlich.

In diesem Sinne möchte ich mich mit meinem Lieblingszitat von Richard Branson von dir verabschieden und wünsche dir nicht nur alles Gute, sondern auch viel Erfolg beim Treffen deiner nächsten Entscheidung:

“Screw it, let’s do it!”

Dein

Nils

PS: Übrigens ist man nicht nur nie bereit dafür, einen Beziehungsratgeber zu schreiben, sondern ist auch für eine Beziehung in den seltensten Fällen bereit ;-)

Nils Terborg perfekte Beziehung ProfilÜber den Autor:

Nils ist Unternehmer, Beziehungscoach und Autor mehrerer Beziehungsratgeber. Um die vielen Fragen nach dem Schreib- und Veröffentlichungsprozess sinnvoller und effektiver beantworten  zu können, hat er sich dazu entscheiden, mit seinem Kollegen Marek Firlej einen Online-Buchschreibkurs zu produzieren. Der läuft aktuell sehr erfolgreich und interessierte angehende Autoren finden ihn unter www.anstiftungzumwort.de finden. Genauso wie zahlreiche kostenlose Blogartikel, die bei ersten Hürden helfen!

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15 Kommentare, sei der nächste!

  1. Lieber Nils,
    klasse Artikel mit einem tollen unterstützenden Video! Ich glaube, die Angst vor der Reaktion der anderen bei einem eventuellen Scheitern ist das, was die meisten Menschen zurückhält.
    Jeder, der ein Buch schreiben will, hat ein gewisses Wissen und es gibt, da bin ich mir sicher, einige Leute, die davon profitieren würden und dieses Buch auch kaufen würden.
    Ich kenne auch einige Menschen mit fertigen Büchern in der Schublade – die „einfach noch nicht bereit sind“, zu veröffentlichen.
    Ich sehe die größte Hürde tatsächlich in dem Schritt, in die Öffentlichkeit zu treten und sich damit angreifbar zu machen. Und ich wünsche mir, dass Menschen wie du noch viel mehr andere Menschen dazu inspirieren können, diese Hürde endlich zu überspringen und uns alle dann mit ihren tollen Büchern zu bereichern.
    Danke dir!
    Liebe Grüße
    Martje

    1. Hi Martje,

      ja, das „sich nackig machen“ ist für viele ein schwieriger Schritt – aber notwendig. Und da steckt viel Entwicklungspotenzial hinter :-)

      Danke für den Kommentar!

      LG, Nils

  2. Hallo Nils,
    Hallo Benedikt,

    der Artikel hat mir sehr gefallen und wird glaube ich auch nie an Aktualität verlieren. :)

    Neben den angesprochenen Baby-Steps und dem Einsatz des Pareto-Prinzips bediene ich mich auch gern einer Frage aus dem Buch „The One Thing“ von Garry Keller. Die Frage lautet grob übersetzt:

    Was ist die eine Sache die ich tun kann, durch die alles andere einfacher oder unnötig wird?

    Wann immer ich nicht wirklich weiter weiß oder das Gefühl habe, dass ich meinen Fokus verloren habe stelle ich mir diese Frage.

    Die Antwort darauf ist nicht immer die komfortabelste oder der leichteste Weg, dafür bringt sie mich meinem Ziel ein Stück näher.

    Beste Grüße und produktives Arbeiten!

    Stefan

  3. Hey Nils,

    das ist ein sehr gelungener Artikel. Mir geht es häufig ähnlich. Ich muss mich dann immer dazu zwingen und mir sagen, dass es vollkommen reicht, was ich kann.
    Ich denke das hängt mit unserem Hang zum Perfektionismus zusammen, der eigentlich nur eine versteckte Form der Angst ist.

    Grüße
    Dario

  4. Hi Nils.

    Danke für deinen aufschlussreichen Artikel.
    Ich schreibe zwar kein Buch, aber deine Worte kann ich gut nachvollziehen.
    Bei schwierigen Entscheidungen haben wir die Tendenz alle zu analysieren und tot zu reden, um dann gar nicht erst eine Entscheidung zu treffen. Nach meiner Erfahrung resultiert danach sehr wenig.
    Bessere Erfahrungen habe ich gemacht, wenn ich mein Bauchgefühl miteinbeziehe und danach eine Entscheidung fälle. Dies habe vor meinem letzten Jobwechsel gemacht und bin sehr gut gefahren. Ich erlaube mir den Link zu dem Blog Beitrag hinzuzufügen.

    http://www.spitzli-coaching.ch/2015/06/jobwechsel-mit-koepfchen/

    Herzlichen Gruss
    Markus

  5. Hallo Nils,

    der Artikel gefällt mir sehr gut und ich kann diese Worte nachvollziehen.
    Nun,ich möchte kein Buch schreiben.
    Sicher ging es mir eine zeitlang ebenso,das ich mich nicht entscheiden konnte und dann auch nicht bereit war.
    Ständig bin ich gesprungen,habe verschiedene Sachen probiert.
    Jetzt weiß ich endlich,was ich will(wie treffend mit dem Artikel)und kann nun auch meinen Fokus darauf richten,ohne mich ablenken zu lassen.

  6. Hej Nils,

    danke für den Artikel (hab ihn jetzt erst gelesen :-( ) – Du hast ja so recht – und ich glaube auch, dass eine der größten Hürden das eigentliche STARTEN ist. Weglaufen ist einfacher, tut weniger weh und fühlt sich oftmals sicherer an!
    Das sieht man hier im online Business in so vielen Bereichen…. würden alle (endlich) starten – was wäre das für ein Potential! Also auf geht’s, keine Ausreden mehr !

    Viele Grüße Gwendolin

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