Sospeso: Wie man in Italien gratis Café trinken kann und warum Gleichberechtigung Bullshit ist.

Als ich im August 2010 in Neapel unterwegs war hörte ich manchmal den Satz „C´e un Sospeso?“ durch die Kaffeehäuser hallen. Die Lautstärke dort ist nicht zu unterschätzen und wer sich so um einen Café bemüht, diesen Tumult und das bunte Treiben der Stehcafés zu übertönen, verdient sich wohl einen kostenlosen Espresso. Dachte ich im ersten Moment.

Nur um kurz darauf zu erkennen, dass diese spezielle Frage viel tiefer in der neapolitanischen Kultur verwurzelt ist, als ich am Anfang ahnen hätte können. Un Café Sospeso (ital.: „Aufgehobener“) ist eine ganz besondere Tradition, Menschen, denen es an finanziellen Mitteln mangelt, den Tag zu versüßen.

Es funktioniert ganz simpel: wann immer man einen erfolgreichen Geschäftsabschluss hatte, einen sozialen Beitrag leisten will oder einfach nur einen guten Tag hatte, bestellt man im Kaffeehaus seiner Wahl einen Espresso und bezahlt zwei.

Kommt später jemand vorbei, der sich aufgrund seiner Armut selbst keinen Espresso leisten kann, fragt dieser nach einem „Sospeso“ und darf diesen ohne dafür zu bezahlen trinken. Dadurch ist es auch jenen möglich am wilden sozialen Treiben teilzunehmen, denen es an monetärer Grundlage mangelt.

Ich meine, das ist eine wunderbare Idee und ganz besondere Tradition, die vielleicht auch bei uns dazu führen würde, dass wir mit unseren Mitmenschen gedankenvoller umgehen.

Gerade auf meinen Reisen durch die Welt – darunter auch Länder wie Indien, China, Thailand, die USA und Mexico – kann ich euch bestätigen: ja, es gibt eine riesige klaffende Schlucht zwischen Reich und Arm. Aber eines habe ich in meinen Gesprächen mit diesen „mittel-losen“ Menschen gelernt. Sie sind genauso Menschen wie du und ich – nur mit weniger Mitteln. Ob das in Zukunft auch so bleibt, dies mit zu entscheiden liegt auch in unseren Händen.

Erst, wenn wir erkennen, dass wir gleich sind, wird Gerechtigkeit möglich. Und ich spreche hier nicht von Gleichberechtigung (was völliger Bullshit ist, das musste mal gesagt werden. Ehrlich).

gleichberechtigung-gerechtigkeit

Alles Liebe,

Benedikt

 

 

P.S.: Glück kann man nicht kaufen. Aber man kann Whiskey kaufen und es kommt ziemlich auf das Gleiche raus.

Photo Credit: www.sxc.hu

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19 Kommentare, sei der nächste!

  1. Das ist ein Thema, wo man keine eindeutige Antwort findet. Wie sagte doch schon Briest : Es ist ein weites Feld. Ich halte nichts davon, solche Sachen gratis abzugeben, weil dadurch wird das Trittbrettverhalten verstärkt. Ich finde, man muss eher die Ursachen bekämpfen und nicht an den Symptomen herumdoktern!! Damit löst man das Problem nicht!! Und Benedikt, sie widersprechen sich in ihrer Theorie : Auf der einen Seite sagen sie, man solle riesen Visionen haben, damit man mehr Geld hat, und jetzt tun sie so, als wenn es so toll wäre, kein Geld zu haben bzw dass es nicht nötig wäre. It doesn’t make any sense!!!

    1. Hallo Luis,

      schön, dass du mitschreibst. Was soll ich da sagen… Mit Vornamen ansprechen und trotzdem per Sie? Gegen eine Aktion des Herzens sein aber keine Lösung vorschlagen? Mir unterstellen, ich würde mich widersprechen? Phew.. „It doesn’t make any sense!!!“

      Ich glaube nirgendwo steht irgendwo von mir man solle möglichst viel oder möglichst wenig Geld haben?

    2. Luis, du hälst nichts davon Sachen gratis abzugeben? Trittbrettfahren? na das wär doch ein schönes Trittbrett, von dem gratis abgegeben wird von denen, die es grad haben an diejenigen, die im Moment weniger haben ;)
      wenn jemand schwer krank ist, kann man doch zuerst mal die schlimmsten Symptome lindern und gleichzeitg nach Ursache forschen und versuchen zu beseitigen, finde ich.
      Wenn jemand schon kein Geld hat, finde ich es sehr unterstützend, wenn er/sie gratis mal nen Kaffee trinken kann (oder tierärztliche Behandlung oder eine gute Mahlzeit bekommt oder im Auto mitgenommen wird oder oder oder)
      Miteinander teilen ist der erste Schritt in eine bessere Zukunft. Raus aus der entwürdigenden Situation, dass man jemandem, der am Boden sitzt, etwas zuwirft, ist für mich auch ein wichtiger Schritt :)

  2. Hallo Benedikt,
    Immer diese groben Wörter.. Bullshit! Bitch! Oida, als Frau mittleren Alters spricht mich das nicht besonders an.
    Aber es macht mich dann doch neugierig- was mag da drin stehen, wenn die Überschrift so scheiße despektierlich formuliert ist..

    Inhaltlich bin ich mit dir auf einer Linie. Die Welt wäre eine andere, schönere, wenn wir allen den gleichen Respekt entgegen bringen würden – unabhängig von ihrem Status.

    Es ist eine schöner Gedankenimpuls, unsere ganze Wirtschaft würde diesem Gedanken folgend, anders aussehen . Auch die „kleinen“ würden es anders machen, wenn sie sich ernst nehmen würden, sich selbst und ihren Bedürfnissen Respekt entgegen bringen.

    und vielleicht bewegt sich was, vielleicht, wenn immer mehr Menschen aufhören sich zu fürchten, vor Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise, scheinbar übermächtigen Systemzwängen.

    Vielleicht würden wir in einer Welt leben, in der immer mehr Menschen ihr Glück suchen, anstelle das geringstmögliche Übel zu ertragen.

    Wenn ein paar mehr einen Augenblick kurz innehalten und sich fragen: was macht mich eigentlich wirklich glücklich? Und was wäre ein erster Schritt das zu erreichen?

    Es ist schön, wenn man Menschen trifft, die wirklich das machen, was sie lieben, es bestärkt auch einen selbst, das mehr möglich ist im Leben.

    Danke!

  3. Toller Beitrag – eine gute Anregung, die mich mal wieder bereichert hat. In unserem ehemaligen Wohnort hat ein BioBäcker genau diese Idee auch aufgegriffen: Man bezahlt ein Gebäckteil mehr, wenn man will und der Bon dafür wird an eine Schnur gehängt… wo ihn dann jemand, der gerade wenig Geld hat für seinen Einkauf verwenden kann. Interessanterweise hängen dort jede Menge Zettel und es traut sich wohl kaum einer, einen abzunehmen…
    Die Veränderung kommt „von unten“ – von uns Menschen. Wo wir hinsteuern, wenn wir auf das Heil „von oben“ – vom Staat und System – warten und immer gegen alles mögliche kämpfen wollen, sehen wir ja.

    1. Hallo Florian,

      danke für dein Feedback. Ja, die soziale Scham ist bestimmt eine große Hemmschwelle gerade in unserer Gesellschaft, wo es so wichtig ist, „Erfolg“ auszustrahlen.

      Dass dieser Begriff so stark an finaniellen Reichtum gebunden ist hat meiner Meinung nach aber nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun…

  4. Die kosmische Wahrheit ist geben und schenken.
    Das macht uns die Natur in üppigster Weise vom Frühling bis zum Herbst vor.
    Im Herbst hält der Apfelbaum seine Früchte nicht zurück.
    Wenn wir uns gegenseitig beschenken, dann sind wir alle reich.
    Leider kann man die Stromrechnung noch nicht mit Äpfeln bezahlen.

    Ich wünsche uns allen die Fülle, wichtig ist nur, dass wir auch bereit sind sie anzunehmen!

    Lieben Gruss an dich Benedikt und danke für deine Arbeit!

    Barbara

    1. Hallo Barbara,

      danke für deine Worte und ich bin mir sicher, dass wir am richtigen Weg sind zu mehr sozialer Gerechtigkeit. Im Vergleich mit vor 150 Jahren geht es uns heute besser denn je.. dennoch gibt es natürlich viel zu tun.

  5. Schöner Beitrag lieber Ben,

    und unglaublich, da sind die Italiener ja mal ein tolles Beispiel mit Ihrem Sospeso:-)

    Sehr nachahmungswürdig;-)

    Und das mit der Armut insbesondere in Asien und Co. kenne ich auch sehr gut, dort gibt es ähnliche Traditionen wie in Italien. Oder bei den Muslimen der Zakat oder z.B. die Givebox, auch wenn nicht nur für Arme http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/geschenkebude-givebox-eine-idee-macht-viele-gluecklich-id6330331.html

    Auf jeden Fall eine tolle Anregung, Danke Ben!

    Lass es Dir gut gehen!
    Sirpa

  6. Hi Ben,

    eine tolle Sache mit dem Sospeso. Das macht die Welt ein Stück weit wärmer.

    Sehr gut finde ich auch Deinen Nachtrag. Doch ich bevorzuge Whisky. ;-)

    Liebe Grüße
    Thomas

  7. Hi Ben,
    wieder mal ein schöner Artikel von Dir… und eine klasse Idee, die dem Ganzen zugrunde liegt: Wer von Herzen gibt, ohne den Gedanken an eine Gegenleistung (sonst wäre es ja ein Geschäft und kein Geschenk), der lebt die Fülle. Egal, wie viel er grad selbst hat. Das kommt dann schon…

    Liebe Grüße
    Petra

    ps: Ich bevorzuge Grappa… oder doch lieber das Glück, das ich in mir selbst finde? ;-)

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